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Die von den letzten Dingen wirklich wussten...
Die von den letzten Dingen wirklich wußten, haben noch allezeit den
„Heiligen” in seiner Eitelkeit und falschen Demut lächelnd verachtet,
aber sie wissen auch zu sondern zwischen eitlen Tugendbolden und den
wahren Großbeseelten, die man zuweilen „ heilig” sprach...
Stolze
Menschen wollen sie finden, die erhobenen Hauptes zu leben wissen
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Wen Schuld und Sünde aus seiner Bahn zu werfen fähig sind, der ist nicht
wert, den Preis des Siegers zu erringen!
Wer den grossen Sieg erkämpfen
will, der darf sich nicht mit Sorge plagen, weil der Staub des Alltags
dabei sein Gewand beschmutzt…
Wer stets bestrebt ist, Flecken aus seinem Mantel zu putzen, der wird
sein höchstes Ziel gar bald aus dem Auge verloren haben… Ich rate
gewißlich keinem, sich im Schmutz zu wälzen, - aber ein jeder, der zum
Ziele will, muss achtlos werden gegen den Staub des Alltags und die
kleinen Flecken, womit er sein Gewand auf seiner Wanderung bedeckt.
Dein Fuß
wird ständig an der gleichen Stelle kleben, und niemals wirst du deinem
Schritt vertrauen, läßt du dich durch die Fehler, die du niemals ganz
vermeiden kannst, auf deinem Wege stören.
Der „Heilige” aber ist einem Menschen gleich, der sich selbst die
Sehnen durchschnitt, und nun als ein Lahmer am Wege liegt, jedoch mit
offenen Augen träumt: - zu fliegen .
Ach, daß du mir lieber noch in Schuld und Sünde bis an die Schultern
waten möchtest, als daß ich je dich in Gefahr erblicken müßte, zu einem
solchen „Heiligen” zu werden! All deine beste Kraft geht dir verloren,
willst du dem „Heiligen” gleichtun, und vor allem dich „von Fehlern
frei” zu halten suchen... Du kannst deine Kräfte nicht gebrauchen, wenn es deine stete Sorge ist, jeden Fehler zu vermeiden, denn wo immer du wahrhaft tätig bist, wirst du zugleich auch in Fehler und Sünde fallen, ohne es zu wollen. Wie aber der Marmorstaub in des Bildhauers Werkstatt gewiß nicht seines Bildwerks Wert verringert, so wird auch dein „Ich”, das du aus „ rohem Stein” hervor zu formen suchst, auf keinen Fall an Wert verlieren durch den „Staub” und „Schutt”, der ringsum liegen bleibt, bis endlich deine klare Form herausgemeißelt ist. Vergiss der Werkstatt „Staub” und „Schutt” und denke stets nur an das „Werk”, das du aus deinem Dasein formen sollst, zu hoher Schönheit und zu ewigem Bestand!
Und bist du
tief gefallen, wo du nicht fallen wolltest, so erhebe dich eilends
und vergiß, daß du jemals zu Fall gekommen warst! Aber selbst dann auch,
wenn dein Wille dich zu Falle brachte, sollst du keine andere Sorge
kennen, als dich augenblicklich wieder zu erheben! Unnütz ist deine
„Reue ” nach dem Fall, - aber dein kraftvolles Erheben kann dir zu
dauernder Sicherheit verhelfen, die den neuen Fall vermeiden lehrt... Wahrlich, besser schreitet der voran, der die Kraft zur Erhebung nach dem Falle in sich weiß, als jener, der, in steter Ängstlichkeit, jedes Straucheln achtsam vermeiden möchte! Dir kann auf deinem Wege nichts zum Schaden gereichen, außer der Furcht vor den hemmenden Kräften der Schuld - und diese hemmenden Kräfte wieder, werden allein aus deiner Furcht geboren. In Liebe schreite dahin, und frei von Furcht - doch möge deine Liebe nie die Kräfte untergraben, die du zum Widerstande brauchst! Sei immerdar gütig gegen alles was lebt, aber „Güte” gegen den Tiger ist ein wohlgezielter Schuss, denn auch, was du vernichten musst, sollst du nicht leiden machen! Frei muß auch deine Güte und Liebe sein, oder sie wird dir zum Laster werden! Frei ist nur, wer sich selbst befreit! Kein äußerer „Gott”, wie du ihn über Sternen dir erträumst, kann jemals dich befreien! Doch: hilfst du dir selbst, so hilft dir auch dein Gott - dein Gott, der in dir selber sich dereinst „gebären“ will!
Du hast dir
selber deine Gespenster geschaffen, und nur du selbst wirst sie
vernichten können! Vieles gilt dir noch
als „Schuld“ und „Sünde“, was solche Lästerung wahrlich nicht verdient
- und manches nimmst du leicht, und siehst darin gar deine „Tugend“,
obwohl es dir Versuchung zum Verderben ist… Du sollst „Versuchung“ niemals suchen, aber du sollst auch nicht, dem „Heiligen“ gleich, dein Auge also bannen, dass es allerorten nur „Versuchung“ sieht.
Erhobenen Hauptes gehe deinen Weg, und wisse, dass du am besten stets
behütet bist, wenn du dir selbst vertrauen kannst! Kein „Fall“ und
„Fehler“ kann dich dann in deinem Schreiten hindern, bis du dereinst,
mit hoher Kraft gestärkt, dein Ziel, das in dir selber ist, erreichen
wirst! Aber ich warne dich, und rate dir:
Eher noch suche Schuld und
Sünde, doch hüte dich vor dem Willen zur „Heiligkeit“! |