Natürlich 07/2008

Impfen um jeden Preis

Markus Kellenberger

 

Impfen ist ein Milliardengeschäft. Jedes Jahr kommen neue Impfstoffe auf den Markt, die eine Welt frei von Krankheiten versprechen. Doch die Zeichen mehren sich, dass mit der Ausrottung alter Leiden neue geschaffen werden – auch zum Segen der Pharmaindustrie.

 

 

Eigentlich wollte Erica Gürke wegen einer bevorstehenden Reise ins Ausland nur ihre Starrkrampfimpfung auffrischen lassen. Als sie nach kurzer Zeit das Impfzentrum der Uni Zürich verliess, hatte sie aber nicht nur eine Tetanusspritze bekommen, sondern gleich auch noch eine Auffrischung ihrer Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR) und eine Impfung gegen Hepatitis A und B.

«Das Personal hatte mir dazu geraten und mir versichert, die Impfungen seien nicht problematisch», erzählt sie. Doch heute, sieben Jahre später, leidet Gürke an starken Allergien, die einige Monate nach den Injektionen erstmals ausbrachen. Für sie steht fest: «Die Impfungen sind daran schuld.»

 

Für die Impfstoffhersteller und die meisten Schulmediziner ist das nichts weiter als eine unbewiesene Behauptung, denn offiziell sind in der Schweiz keine Impfschäden bekannt. Das liegt aber, wie Kritiker anführen, ausschliesslich an den mangelhaften Kontrollmethoden. Krankheiten und Beschwerden, aber auch Todesfälle, die länger als vier Wochen nach einer verabreichten Impfung auftreten, werden nämlich in aller Regel weder systematisch erfasst noch gemeldet. Und selbst wenn, ist ein direkter Zusammenhang mit der Impfung kaum zweifelsfrei herzustellen.

 

Jonglieren mit falschen Zahlen

 

«Das ganze Kontrollsystem richtet sich nach den Interessen der Pharmaindustrie und nicht nach denen der Patienten», sagt Anita Petek vom impfkritischen Verein «Aktives eigenes gesundes Immunsystem» (Aegis). Für sie gehört das zum Konzept einer allgemeinen Desinformations-strategie, die mit den ersten grossflächigen Impfkampagnen in den 1960er-Jahren ihren Anfang nahm.

 

 

Mit dem Slogan «Schluckimpfung ist süss – Kinderlähmung bitter», wurde damals die Polioimpfung  massiv propagiert – und das erfolgreich: In den Ländern der Ersten Welt sind seit rund zehn Jahren keine neuen Poliofälle mehr bekannt geworden.

 

Beflügelt vom Erfolg lancierte die Weltgesundheitsorganisation WHO ab 1974 weitere Impfprogramme gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern, Röteln, Hepatitis B und in den betroffenen Ländern gegen Gelbfieber. Erklärtes Ziel der WHO ist, weltweit so viele Krankheiten wie nur möglich auszurotten.

 

Im Gegensatz zur erfolgreichen Poliokampagne ist bei anderen Programmen das Ergebnis jedoch so durchzogen wie die Zahlen, die zur Rechtfertigung der Impfanstrengungen regelmässig herbeigezogen werden. Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Masern. Impfbefürworter, darunter auch die Fachleute des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), verweisen gerne auf den Erfolg der Masernkampagne, indem sie auf die in Europa heute gegen null tendierende Anzahl Masernsterbefälle hinweisen. Sie unterschlagen dabei, dass die Sterberate bei der Einführung der Impfung Mitte der 70er-Jahre nachweislich bereits fast genau so tief lag. Nicht die Impfung, sondern die in den letzten 50 Jahren laufend besser gewordenen Lebensumstände der europäischen und der amerikanischen Bevölkerung sind für die geringe Sterberate verantwortlich.

 

Dadurch wurden die Masern, die zuvor für schlecht ernährte und durch andere Krankheiten bereits geschwächte Menschen lebensbedrohlich waren, zu einer vergleichsweise harmlosen Krankheit. «Ein Phänomen», sagt der deutsche Arzt und Impfkritiker Gerhard Buchwald, «das auch auf viele andere Infektionskrankheiten zutrifft».


 

USA: anerkannte Impfschäden in Millionenhöhe

 

Wegen der dramatischen Zunahme der Impfschäden im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde durch den amerikanischen Kongress im Jahre 1986 das nationale Kindheitsimpfschadensgesetz ins Leben gerufen. Anträge von Eltern mit gesundheitlich geschädigten Kindern werden von den Behörden zwar rigoros bekämpft und doch musste der Fonds bis heute fast 2 Milliarden Dollar für Impfschäden auszahlen. Laut dem amerikanischen National Vaccine Information Center gehen in den USA jährlich mehr als 12000 Anträge ein. Darunter auch solche wegen Folgeschäden nach Masernimpfungen. Erstmals sind vor einigen Monaten Impfschäden anerkannt worden, die zu Autismus geführt haben. In der Schweiz gibt es bis heute keinen einzigen anerkannten Impfschaden.

 

Das Geschäft mit der Angst

 

Als Rechtfertigung für die fortlaufende Impfkampagne werden deshalb nicht mehr die Todesfälle, sondern die möglichen Komplikationen nach einer Masernerkrankung angeführt, allen voran das Risiko für eine Hirnentzündung oder Hirnhautentzündung. Beides sind Krankheiten, die falsch oder zu spät behandelt, tatsächlich tödlich enden können. Einer von tausend an Masern Erkrankten, so die von den Gesundheitsbehörden und der Pharmaindustrie viel zitierte Statistik, müsse mit einer Hirn- oder Hirnhautentzündung rechnen.

 

Für Cesar Winnicki, Chefarzt der Aeskulap-Klinik in Brunnen SZ, sind solche Zahlenspiele reine Panikmache seitens der Impflobby. «Eine rechtzeitig erkannte Hirnhautentzündung gilt heute als relativ seltene, harmlose und vor allem gut zu behandelnde Krankheit», sagt der auf komplementäre Heilmethoden spezialisierte Mediziner. Mit der unterschwellig angedrohten Möglichkeit einer vielleicht tödlich verlaufenden Masernkomplikation gehe es den hiesigen Gesundheitsbehörden und der Pharmaindustrie einzig darum, die Durchimpfungsrate von derzeit 85 Prozent der Bevölkerung bis zum Jahr 2010 auf die mit der WHO vereinbarten 95 Prozent zu heben – dies in der Hoffnung, damit die Masern besiegt zu haben.

 

 

Neue Epidemien in Sicht

 

Für die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist das angestrebte Ziel der WHO schlicht illusorisch, wie sie in ihrem Ratgeber «Impfen – Grundlagen für einen persönlichen Impfentscheid» schreibt. Aus zwei Gründen: Hohe Impfraten seien erstens nur in Ländern zu erreichen, die die teuren Impfstoffe auch bezahlen könnten, also hauptsächlich in Europa und Nordamerika. In der Dritten Welt, wo die Masern unter den vielen fehl- , falsch- und unterernährten sowie medizinisch schlecht versorgten und oft in erbärmlichen hygienischen Verhältnissen lebenden Menschen ständig Opfer fordern, ist eine ausreichende Durchimpfung unmöglich. Auch in Zukunft. Zweitens bedeute eine hohe Durchimpfungsrate, so die SKS, dass der in der Bevölkerung aufgrund des Durchmachens der Kinderkrankheit natürlicherweise vorhandene Schutz abgebaut und durch weniger wirksamen Impfschutz ersetzt werde.

 

Durch die frühe Impfung verschiebe sich die Krankheit zudem ins Erwachsenenalter, weil die Schutzwirkung mit der Zeit abnehme. In der Folge kann es trotz hoher Durchimpfungsrate zu Epidemien kommen, bei denen die Krankheit zudem viel gefährlicher verlaufen kann. Verschiedene Studien stützen diese Einschätzung mittlerweile, ebenso den Verdacht, dass mit zunehmender Impfrate die Zahl der Allergiebetroffenen wächst. Doch das hält weder die WHO noch verschiedene andere, meist von der Pharmaindustrie getragene Organisationen davon ab, ihre Impfkampagnen weiterzuführen.

 

Impfkampagnen am falschen Ort

 

Im Gegenteil: Fast jedes Jahr werfen die Impfstoffhersteller neue Produkte auf den Markt, um sich neben den dank staatlichen Impfprogrammen bereits garantierten Einkünften in Milliardenhöhe weitere lukrative Geldquellen zu erschliessen. Jüngstes Beispiel dafür ist die erst kürzlich lancierte HPV-Impfung. Sie soll Infektionen mit sogenannten humanen Papillomaviren verhindern, da diese im Verdacht stehen, unter gewissen Umständen bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen zu können. Übertragen werden die Viren fast ausschliesslich beim Geschlechtsverkehr. Empfohlen wird die neue Impfung bereits für Mädchen ab dem elften Lebensjahr.

 

 

Die in der Werbekampagne benutzten Begriffe «Krebs» und «Schutz» lassen bereits vermuten, dass der Impfstoff ein kommerzieller Erfolg werden wird. Dies obschon weder dessen Wirksamkeit bewiesen ist noch seine Nebenwirkungen restlos geklärt sind, wie die SKS in einem Merkblatt warnt. Auch für Cesar Winnicki ist die Impfung fragwürdig: «Gebärmutterhalskrebs ist in vielen Ländern Afrikas ein ernstes und sehr weitverbreitetes Problem, in Europa dank der routinemässigen Vorsorgeuntersuchungen hingegen nicht. Warum also bietet die Pharmaindustrie den Impfstoff nicht dort an, wo er dringend benötigt wird?» Eine Antwort erübrigt sich, wenn man weiss, dass eine einzige Impfung rund 500 Franken kostet – da wundert auch nicht, dass der Hersteller gleich noch zu einer Nachimpfung rät.

 

Impfplan für die eigene Entscheidung


Impfkritische Ärzte haben zum offiziellen Impfplan des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) einen alternativen Plan erstellt. Der wesentliche Unterschied dabei ist: Kinder werden weniger und im Falle der Kombiimpfung gegen Diphterie, Starrkrampf und Keuchhusten (DTPo) bedeutend später geimpft. Eine Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) wird ausserdem erst mit dem Beginn der Pubertät in Betracht gezogen und dies nur, sofern nicht bereits eine natürliche Immunisierung stattgefunden hat.



 

Heruntergespielte Nebenwirkungen

 

Die Geldgier der Branche erschüttert Anita Petek von Aegis schon lange nicht mehr. Sorgen hingegen bereiten ihr, dass «die Schutzwirkung vieler Impfungen viel schlechter ist, als offiziell behauptet wird, und vor allem, dass über die möglichen Nebenwirkungen kaum etwas bekannt ist».

 

 

Für den Münchner Impfexperten und Kinderarzt Martin Hirte steht fest, dass in den Studien, die die pharmazeutische Industrie für die Zulassung eines Impfstoffes vorweisen muss, allfällige Nebenwirkungen im Vergleich zu den Folgen der zu verhütenden Krankheit heruntergespielt werden. «Impfstudien entstehen unter Zeitdruck, unter anderem aus Angst vor der Konkurrenz», sagt er. «Sie sind daher nicht geeignet, erst nach Wochen oder gar Monaten auftretende Nebenwirkungen aufzudecken.» Konkret würden bei diesen Studien also nur kurz nach der Impfung auftretende Akutereignisse wie Fieber, allergische Reaktionen oder Krampfanfälle aufgedeckt, führt er in seinem Buch «Impfen – Pro und Kontra» aus. «Aus der Seltenheit oder Harmlosigkeit dieser Ereignisse wird dann der Schluss gezogen, der Impfstoff sei sicher», meint er. Ist der Impfstoff aufgrund solcher oberflächlicher Studien erst einmal auf dem Markt, hängt das Bemerken und freiwillige Melden von später auftretenden Nebenwirkungen von den Hausärzten ab. Ein System, das in der Praxis kaum funktioniert. «Es muss ja erst einmal überhaupt daran gedacht werden», so Hirte, «dass eine Erkrankung die Folge einer Impfung sein könnte. Und das geschieht umso seltener, je mehr Zeit seit der Impfung verstrichen ist.»

 

Er fordert deshalb statt einer sogenannten passiven Meldepflicht eine aktive und langfristige Überwachung grosser geimpfter Menschengruppen. Das führe zu viel genaueren und aufschlussreicheren Daten, begründet er und nennt als positives Beispiel einen Anfang 2000 in der Schweiz neu eingeführten Grippeimpfstoff. Bei diesem wurde im Rahmen einer längerfristigen Untersuchung Monate nach seiner Einführung bei impfenden Ärzten aktiv und direkt nach Nebenwirkungen des Stoffes gefragt. Als Resultat wurden auf diese Weise 23-mal mehr Gesichtsnervenlähmungen als Spätfolge der Impfung registriert, als vorher passiv gemeldet worden waren.

 

Impfnutzen ist nicht bewiesen

 

Eine langfristige und vor allem aufschlussreichere Erforschung der Wirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe wünscht sich auch der Verein Aegis. «Niemand hat uns bis jetzt beweisen können, dass sich Impfnutzen und Impfschaden in einem akzeptablen Bereich bewegen», meint Anita Petek. Sie bekommt Unterstützung von Cesar Winnicki, der sich als der Naturheilkunde nahe stehender Arzt für ein bewusstes und vor allem selbst bestimmtes Impfen einsetzt: «Es gibt keine einzige Impfstudie, die unter Berücksichtigung aller Faktoren einen eindeutigen Gesamtnutzen nachweist.»

 

Das ist bedauerlich, besonders für die ungezählten Menschen wie Erica Gürke, die wegen einer Impfung nicht wie versprochen gesund geblieben, sondern krank geworden sind.

 

 

Weiterführende Artikel:


• Dogmatisierter Irrweg: «Natürlich»-Autor Heinz Knieriemen über seine Erfahrungen mit masernkranken Kindern und einer aus seiner Sicht völlig verfehlten Impfstrategie.
• Mündige Patienten: Die WHO verlangt aufgeklärte PatientInnen. Doch die Behörden und die Pharmainsustrie stellen die Gesundheitskompetenz des Einzelnen in Abrede. Der Arzt Hansueli Albanico über die Gründe.

 

Links
www.impfo.ch
www.symptome.ch
www.aegis.ch
• www.konsumentenschutz.ch
 www.bag.admin.ch
 www.sprechzimmer.ch

Literatur
August M. Zoebl: «Lesen Sie dieses Buch bevor Sie Impfling»
Aegis-Verlag 2005, Fr. 33.–
Gerhard Buchwald: «Impfen – das Geschäft mit der Angst»
Verlag Knaur 2008, Fr. 35.90
Martin Hirte: «Impfen – Pro und Kontra»
Verlag Knaur 2008, Fr. 20.50
Anita Petek-Dimmer: «Rund ums Impfen»
Verlag AEGIS 2004, Fr. 25.–
Ravi und Carole Roy: «Impfschäden – Homöopathischer Ratgeber»
Verlag Lage & Roy 2005, Fr. 20.50 
 Stiftung für Konsumentenschutz: «Ratgeber: Impfen» 2006, Fr.12.–
Peter Kriwy: «Gesundheitsvorsorge bei Kindern» VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007, Fr. 42.50